Interpassivität (...again)
Pfaller spricht von zwei Formen der Interpassivität, die er bezeichnend als ‘Softcore’- und ‘Hardcore’-Interepassivität bezeichnet. Erstere meint Genuss-Prothesen: Wenn z.B. Wünsche aufgrund einer Beschränktheit von Ressourcen (etwa Zeit) auf jemanden anderen oder -es übertragen wird. Zweitere Form, die Pfaller für die interessantere und scheinbar universellere hält, ist ein interner Bedürfniskonflikt. Tatsächlich lässt sich diese ‘Interpassivität’ ohne großem Agrumentationsaufwand, ohne ideologische Rückgriffe und wesentlich stringenter als eine identifikatorische Ersatzhandlung beschreiben. Das ist insofern relevant, als dass es genau das ist, was Werther mithilfe seines Dieners tut und Leon mithilfe des Werther.
Interpassivität?
Es ist nur gut, dass ich mir dieses Buch - “Ästhetik der Interpassivität - ausgeborgt habe und jetzt lese. Ansonsten hätte ich vermutlich behauptet, die Schwester von Sherazad & Amgiad sei eine Geschichte über Interpassivität und wäre darüber begeistert. Allerdings ist dieser ‘Stellvertretende Selbsmord’ des Werther keineswegs interpassiv, wie Robert Pfaller es versteht. Tatsächlich stehe ich dieser Theorie der Interpassivität inzwischen wesentlich kritischer gegenüber - was mich etwas an Schnitzler und Freud erinnert. Ich will hier allerdings keine umfassende Kritik des Interpassivitätsbegriffs liefern, sondern vielmehr zwei Punkte bzw. Formulierungen aufgreifen:
1.) “Interpassive Menschen nehmen mit einer Sache punktuell Kontakt auf, um sie dann ganz zur Seite zu legen” - das ist der zentrale Punkt, von dem aus ich diesen neuen Text entwerfen werde.
2.)Das interpassive Kunstwerk in seiner extremsten Ausformung nimmt dem Konsumenten die Konsumation ab - im Falle der Literatur das Lesen. Weniger extrem kann man auch vom impliziten Leser eines Kunstwerkes sprechen. Man könnte nun den Irrtum begehen, zu glauben, Martin sei ein solcher impliziter Leser. Zwar ist er werkimmanent, aber explizit. Das Ziel war es (u.a.,wie bei diesem Text immer angefügt werden muss) dem tatsächlichen Leser seine Rolle als Leser bewusst zu machen. Der Schwestertext wird dies vorantreiben, indem die Zwischeninstanz des immanent-explizten Lesers den physischen Leserinnen und Lesern angenähert wird.
Let’s see how that will work out…


